Dienstag, 13. Mai 2014

Homemade Pizza - oder, wieso ich keine Pizza mehr bestelle

Pizza und ich, wir haben eine sehr schwierige Beziehung! Auf deutschem Boden will ich nichts von ihr wissen, sobald ich aber italienisches Terrain betrete, kann und will ich nicht ohne sie leben. 


Diese Hass-Liebe kommt nicht von ungefähr. Schuld sind meine Eltern, die mit mir noch in Windeln-steckend nach Sardinien gefahren sind. Und das Jahr für Jahr, die ersten 23 Jahre meines Lebens. 
Die ersten paar Jahre waren wir noch im schönen San Teodoro, im Norden der Insel. Als es uns dort zu touristisch wurde, sind wir in den Süden geflohen, an die Costa Rei, einem der schönsten Flecken auf der ganzen Welt, oder zumindest in Europa!
Sowohl in San Teodoro, als auch an der Costa Rei, habe ich die besten Pizzen meines Lebens gegessen. Hauchdünn, außen verbrannt, nicht zuviel Belag und nur die besten Zutaten! Alles das, was die Pizzen des normalsterblichen, deutschen Lieferservices NICHT sind. 


Bestelle ich hierzulande eine vermeintliche Pizza, bekomme ich einen dicken Teigfladen, der noch dicker belegt ist. Oft muss man seinen Belag, also die pinke Salami oder den fingerdick geschnittenen Schinken, unter den zentimeterhohen Schichten Analogkäse (wenn man Glück hat, bekommt man sogar geriebenen Gouda oder Emmentaler) suchen. Wenn es diese Normalo-Versionen überhaupt gibt, denn Pizza mit Dönerfleisch, Bolognese oder Salat gehören mittlerweile zu den meisten Speisekarten, wie in Italien der Mozzarella auf die Pizza. 

Weil ich aber nicht ganzjährig auf Pizza verzichten will, bin ich lange Zeit schon im Training und verwandle unsere Küche regelmäßig in eine Pizzabäckerei. 
Nun meine ich, den (für mich) perfekten Teig gefunden zu haben. Für die perfekte Pizza fehlt leider noch der Pizzastein, allerdings kann ich mir hier mit ein paar Tricks helfen.




Für 2 große runde Pizzen vermischt ihr 1 TL Trockenhefe mit 250 ml warmem Wasser und lasst die Mischung 10 Minuten stehen. Danach verknetet ihr 375 g Mehl (natürlich könnt ihr das italienische Pastamehl Typo 00 benutzen, bei mir klappt es aber auch mit dem normalen Weizenmehl) mit der Wassermischung, 2 TL Salz, 1 TL Zucker und ca 2-3 EL Olivenöl. Der Teig ist sehr klebrig, ich versuche es aber zu vermeiden noch mehr Mehl dazu zu geben. Wenn alles gut verknetet ist, fülle ich ihn in eine Schüssel, die ich vorher mit Olivenöl ausgestrichen habe. Der Teig wird dann mit ein wenig Mehl benetzt und die Schüssel mit einem Tuch bedeckt. An einem warmen Ort darf er jetzt gehen. 
Ich bereite den Teig auch oft vor der Arbeit zu und lasse ihn bis Abends in der Küche stehen.

Wenn er dann zubereitet wird, teile ich ihn in zwei Portionen. Auf ein großes Stück Backpapier streue ich ein wenig Mehl, gebe den Teig darauf, bestäube ihn noch einmal mit ein wenig Mehl und lege dann noch ein Stück Backpapier darauf. Der Teig wird dann auseinander geschoben. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass man ihn nicht ausrollen sollte und seitdem bilde ich mir ein, dass es so wirklich besser klappt.

Für die Tomatensauce habe ich früher immer Dosentomaten eingekocht und beliebig gewürzt. Mittlerweile kommt mir diese Sauce nicht mehr auf die Pizza, da sie viel zu wässrig ist und den Teig nicht knusprig werden lässt. Ich rühre aus Tomatenmark, Olivenöl, Kräutern, Saz, Chili, Knoblauch und Wasser eine sehr dickflüssige Sauce, die ganz dünn auf den Teigfladen gestrichen wird. 

Den Mozzarella drücke ich vor der Verwendung so gut es geht aus (das geht super mit einem Zewa), denn auch er gibt sonst beim Backen unnötig Wasser an den Teig ab. Meistens kommt auch noch ein wenig Parmesan auf die Pizza.

Da ich keinen Pizzastein habe, muss ich mir anders helfen. Also heize ich den Backofen so heiß es geht auf Ober-/Unterhitze vor und lege hinterher das Backpapier mit der Pizza (ohne Blech!!!) auf den Backofenboden. So wird sie auch von unten richtig schön knusprig.

Sollte Teig übrig bleiben, kann er übrigens hervorragend in Frischhaltefolie gewickelt eingefroren werden. Lasst ihn aber nicht zu lange draußen stehen, denn die Hefe sorgt auch weiterhin dafür, dass der Teig in der Folie gehen kann.

An die sardische Pizza kommt sie immer noch nicht ran, aber die Lieferservice-Pizza schlägt sie um Längen!!!

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